Samstag, 16. Mai 2009

7 Fragen an Hundefreunde

 

Lernen Sie hier mehr über Kampfhunde und wie Sie Ihnen begegnen können.

1.) Was ist ein "Kampfhund" ?

a) ein Hund, der zwanghaft kämpfen muß oder gar will

b) ein von Geburt an unberechenbares Ungeheuer, das gar nicht erst gezüchtet werden darf

c) ein Hund bestimmter Rasse, der seinen Beinamen Menschen "verdankt", die mit ihm Kämpfe veranstaltet haben

 

2.) Was tun Sie, wenn Sie einem "Kampfhund" begegnen ?

a) Sie bleiben wie erstarrt stehen und rühren sich erst wieder, wenn der Kampfhund vorbei ist

b) Sie wechseln möglichst unauffällig die Straßenseite

b) Sie wechseln die Straßenseite und weisen von drüben laut darauf hin, daß dieser Hund aus dem Verkehr gezogen gehört

c) Sie gehen in ganz normalem Abstand an dem Hund vorbei

 

3.) Was tun Sie, wenn Sie mit Ihrem Hund einem "Kampfhund" begegnen ?

a) Sie wenden kurzerhand und gehen entgegen Ihrer Absicht in eine andere Richtung  

b) Sie halten Ihren Hund sicherheitshalber am Halsband, damit ihm nichts passiert  

c) Sie nehmen Ihren Hund auf den Arm, damit der Kampfhund ihm nichts tut

d) Sie animieren Ihren Hund zum Bellen, damit der Kampfhund Angst bekommt  

e) Sie nehmen Ihren Hund allenfalls kürzer und laufen wie an anderen Hunden vorbei

 

4.) Sie bemerken mitten auf einer ländlichen Wiese einen angeleinten "Kampfhund", der sein Geschäft verrichtet. 

a) Sie machen ihre Umgebung darauf aufmerksam und rufen derbe Schimpfworte herüber 

b) Sie weisen den Ausführer oder die Ausführerin ruhig darauf hin, daß hier nur normale Hunde etwas zu suchen haben

c) Sie kümmern sich um Ihre Angelegenheiten

 

5.) Sie besuchen ein Tierheim und sehen dort einen "Kampfhund" im Zwinger. 

a) Sie denken, gut, daß der hinter Gitter ist

b) Sie zeigen sich erst recht erleichtert, als Sie von einem Pfleger erfahren, daß dieser Kampfhund nach dem Gesetz bis zu seinem Lebensende hier sitzen muß

c) Sie erkundigen sich bei dem Pfleger, ob Sie eine Petition gegen dieses Gesetz unterschreiben können

  

6.) Leute, die sich für Kampfhunde einsetzen, sind für Sie: 

a) Deppen, die offenbar keine Zeitung lesen  

b) Ignoranten, die in Kauf nehmen, daß kleine Kinder gebissen werden  

c) Asoziale 

d) Leute, bei denen ich mich mal informieren kann

 

7.) In England sind American Staffords, die hier als Kampfhund der schlimmsten Sorte gelten, beliebte Familienhunde. Was denken Sie ?

a) Hab ich ja schon immer gesagt, die spinnen, die Engländer

b) Eine Nation mit so einer schlechten Küche hat einfach keinen Geschmack 

c) Eine ganze Nation kann sich schwer irren

 

Wenn Sie sich jeweils für die letzte Antwort entschieden haben, können Sie sich nachfolgend informieren. Wenn nicht, m ü s s e n Sie es - es sei denn, Sie gelten gerne als Mensch mit Vorurteilen !

 

Wie alle Tierheime sind auch wir mit der Kampfhundeverordnung konfrontiert. Anders gesagt: Auch wir sind mit der Situation konfrontiert, dass die Polizei uns beschlagnahmte Hunde einliefert, die wir nicht vermitteln dürfen. Angeblich gefährliche Hunde. So unser Zappa, ein reinrassiger American Staffordshire-Terrier. Das brave kuhgefleckte Kerlchen, dass leider nicht als "süddeutsches Fleckvieh" durchgeht, wird nun seinen Lebensabend im Tierheim verbringen. Da nützt es gar nichts, dass man ihm alles aus der Schnauze nehmen, sich mit ihm auf dem Sofa balgen kann und unsere Tierärztin bei der Behandlung keinen Maulkorb braucht - auf dem Gesetzespapier gilt er als gefährlich. Er gehört der falschen Rasse an.

 

An dieser rassistischen Gesetzgebung hält Bayern unbeirrt fest. Andere Bundesländer sind längst dazu übergegangen, die Haltung bestimmter Hunderassen gegen Vorlage eines jährlich oder zweijährlich fälligen Gutachtens - und einer Eignungsprüfung des Halters !!! - zu erlauben. Nicht das Land der Bajuwaren. Hier werden bestimmte Hunderassen als "Kampfhunde" deklariert und in zwei Klassen eingeteilt. Der Kategorie 1 - das sind American Staffords, Pit Bulls, Bandog, Staffordshire Bullterrier und Tosa-Inu - wird eine u n w i d e r l e g b a r e Gefährlichkeit bescheinigt. Da können fünfzig ausgebildete Hundesachverständige das Gegenteil behaupten - es nützt nichts. Hundesachverständiger in Bayern zu sein, heißt offenbar, Eulen nach Athen zu tragen. Vielleicht um nicht ganz so rassistisch dazustehen, hat der Gesetzgeber eine kleine Augenwischerei eingebaut: "Bei berechtigtem Interesse" heißt es nämlich, dürfe ein solcher Hund gehalten werden. Doch was ist das? Uns ist kein Fall in Bayern bekannt, nachdem ein sog. "Kampfhund" aus "berechtigtem Interesse" gehalten werden darf.

 

Die Kategorie 2-Hunde hingegen - Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Bullterrier, Cane Corso, Dogo Argentino, Dogue de Bordeaux, Fila Brasileiro, Mastiff, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Perrode Presa Canario (Dogo Canario), Perrode Presa Mallorquin und Rottweiler - dürfen nach bestandenem Wesenstest gehalten werden!

 

Zurück zu den Hunden der Kategorie 1. Diese Hunde dürfen in Bayern nicht gezüchtet, nicht gehalten und nicht vermittelt werden. Darin liegt eine logische Konsequenz. Leider sieht die Realität aber anders aus. 1er-"Kampfhunde" werden auch bei uns hier in Mittelfranken fröhlich gezüchtet, das Internet quillt schier über vor Angeboten. Was macht da unser strenger Gesetzgeber? Nichts. Unverständlicherweise spielt er hier den Blinden. Sind diese Hunde dann schon längst bei ihren Haltern, werden sie von der Polizei beim Gassigehen erwischt und flugs ins Tierheim verbracht. Wie unser Zappa im Alter von 9 (!) Jahren.

Man stelle sich ein Rohr vor, in das hinten immer mehr hineingeschoben wird (das sind die Züchter) und vorne (beim Tierheim) hält der Gesetzgeber zu. Auf diese Problematik angesprochen, verlautete es jüngst aus dem zuständigen Innenministerium, dann sollten die Hunde halt im Tierheim eingeschläfert werden.

 

Dabei liegt es einzig und allein an uns, am anderen Ende der Leine. Und Zappa ist das allerbeste Beispiel, daß sich ein gut erzogener Hund sozial und normal verhält.

 

Übrigens: Nach Niedersachsen und Schleswig-Holstein hat nun auch die rot-rot-grüne Regierung in Thüringen im Januar 2018 beschlossen, Rasselisten abzuschaffen und den einzelnen Hund zu beurteilen. Die bayerische Landtagswahl steht uns bevor .....

 

Gaby Brüggemann