Sonntag, 11. September 2005

Das Wildtier Igel

 

Dieser Beitrag wurde von unserer Igelspezialistin, Frau Weller, geschrieben. Bald wird es wieder Herbst und man findet den einen oder anderen Gesellen auf der Straße oder im Garten.

 

Aber wie verhalte ich mich richtig? Benötigt dieser Igel Hilfe? Bitte lesen Sie, wie Sie sich richtig verhalten können.

Leider werden sehr viele Igel viel zu früh, und völlig grundlos im Tierheim abgegeben . Zum besseren Verständnis des Wildtieres Igel, welches zu den besonders geschützten Arten gehört, hier ein paar allgemeine Informationen.

Grundsätzlich ist es verboten Igel zu fangen und in Besitz zu nehmen, außer er ist verletzt oder krank!


Lebensraum

Igel leben in landschaftlich abwechslungsreichen Gegenden mit Hecken, Feldgehölze, Wälder mit dichtem Unterholz, Brachflächen, dichte verwilderte Gärten, usw. Sie sind Einzelgänger, standorttreu und nachtaktiv, sein Revier kann mehrere Hektar groß sein.


Speiseplan

Auf seinem Speiseplan stehen Käfer, Asseln, Würmer, Schnecken, aber auch Eier und kleine Wirbeltiere wie Mäuse. Vor dem Winterschlaf nehmen sie verstärkt vegetarische Nahrung auf, wie Samen, Nüsse, Beeren und Fallobst.


Feinde, Paarung

Ein erwachsener Igel kann 1 kg wiegen, zu seinen natürlichen Feinden gehören der Uhu, Marder, Fuchs, und das Wildschwein.

Je nach Klima liegt die Paarungszeit zwischen April und August. Nach einer Tragzeit von ca. 35 Tagen kommen die Jungen, noch blinden Igel zur Welt, welche nach ca.4 Wochen mit einem Gewicht von 130-180 gr selbständig auf Nahrungssuche gehen.

Die Igelmutter lehrt ihre Jungen nicht, wie und was sie erbeuten und fressen sollen.


Winterschlaf

Die Nahrungsarme Winterzeit verbringt der Igel im Winterschlaf, welchen er ungefähr Mitte November beginnt und je nach Witterung im März/April beendet.

Somit ist es völlig normal, wenn im September und Oktober noch kleinere Igel unterwegs sind, vor allem wenn der Zeitraum der Paarungszeit mit in Betracht gezogen wird!


Bedrohungen

Die größten Bedrohungen für den Igel kommen durch den Menschen, und hier ist die größte das Auto. Jährlich kommen bis zu einer Million Igel durch Autos ums Leben.

Durch die Intensivierung der Landnutzung, Rodung von Hecken, Umwandlung der Wälder in Forste, sowie eintönige Gartengestaltung werden die Lebensräume der Igel zunehmend zerstört. Somit werden die  Nahrungsqellen vermindert, der Igel kann sich nicht genug für den Winter anfressen.


Sinnvolle Hilfe

Nicht jeder kleine Igel, der im Herbst umherläuft ist hilfsbedürftig. Bevor sie einen Igel aus seinem gewohnten Umfeld herausreißen, und ihm somit viel mehr schaden als helfen, setzten sie sich mit dem Tierheim in Verbindung, und holen sie sich erst einmal telefonischen Rat!

Durch gezieltes Fragen wie Fundzeitpunkt, Fundort, Gewicht, usw. können wir uns ein Bild von der Situation machen, und ihnen sinnvolle Ratschläge geben.

Oftmals reicht ein zufüttern im Garten mit Katzenfutter aus, oder das Schaffen von Winterquartieren.

Gerade im Herbst, wenn Igelweibchen durch die Aufzucht ihrer Jungen geschwächt sind, oder die kleinen Igel nach der Trennung von der Mutter auch tagsüber hungrig umherlaufen, kann man ihnen draußen mit Zufütterung sehr helfen.

Aber auch im Frühjahr, nach dem kräftezehrenden Winterschlaf kann ein Näpfchen Katzenfutter sehr hilfreich sein.


Nur dann muß ich einen Igel aufnehmen:

  • Verwaiste Igelsäuglinge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden, noch geschlossene Augen haben und sich kühl anfühlen. Bitte Nest und Umgebung für einige Stunden beobachten, die Mutter könnte wieder kommen.

  • Verletzte Igel am Strassenrand, in Gruben oder Lichtschächten liegend.

  • Kranke Igel, das sind Tiere die tagsüber unterwegs sind, umhertorkeln, oder deckungslos herumliegen. Oftmals sind sie apathisch und mager.

  • Igel die bei Schnee und Dauerfrost unterwegs sind, meistens tagsüber. Hierbei kann es sich um kranke Alttiere handeln, aber auch spät geborene junge Igel.



Druckversion/NurText-Version Diese Seite als Druckversion anzeigen
 die company unterstützt das tierheim seit 2003